Kinderblog 4 und mehr vom Meer

Nein, über Jerusalem, Jordan, Totes Meer, Wüste und Bethlehem wollen Susanna und Maja jetzt nicht auch noch erzählen. Das ist ja soooo lang her (eine Woche, aber auch für uns ein gefühlter Monat) und sie haben hier, so wie ich das einschätze, eine der schönsten Zeiten ihrer Reise. Hier, das ist südlich von Eilat kurz vor der Grenze nach Ägypten. Und weil unsere zwei Erzählerinnen gerade so schön unsere fünf Tage am Meeresufer des Roten Meeres erklärt haben, füge ich unsere beiden Beiträge einfach zusammen. Meine Geistesblitze sind kursiv, der Kinderblog in aufrecht:

Die Luft steht still. Kein Lüftchen geht, welches uns die Nase erfrischen könnte. Wobei die noch am Wenigsten schwitzt. Bewegungen sind nur noch in Zeitlupe möglich, selbst die zehn Schritte zum erlösenden Roten Meer sind pure Anstrengung. Vor fünf Tagen kamen wir schweißgebadet hier in Eilat an. Nach einer langen Fahrt durch die Wüste Negev wussten wir noch nicht, dass es noch heißer werden kann. Tagsüber klettert das Thermometer auf über 40 Grad! Celsius!!! Das sind etwa 50 Grad im Petit Pied, den wir somit abends frühestens um 21h30 betreten. Morgens um 7 Uhr müssen wir raus und mittlerweile geht es danach als erstes zur Abkühlung ins Meer. Nachts darf noch nicht mal ein Bettlaken uns bedecken, in Unterwäsche versuchen wir etwas Schlaf zu finden. Bei etwa 30 Grad.

Schlaf! Danach sehnen Matthias und ich uns. So sehr das Paradies uns hier begeistert, so sehr sind wir auch genervt. Israel, du bist wirklich vielfältig, bunt, faszinierend, erstaunlich, schön und bewegend. Doch manchmal bist du anstrengend. Deine Menschen sind zum Einen freundlich, hilfsbereit, sympathisch und haben interessante Geschichten. Zum Anderen sind sie laut, vor allem nachts ab 22 Uhr, wenn man den vorher schönsten Stellplatz nicht mehr verlassen kann, weil wir eigentlich schlafen wollen. Mit dem Wunsch sind wir wohl allein. Denn dann kommen die Leute mit lauter Musik angefahren, parken vor unserem Fenster, lassen die Musik weiterlaufen und breiten sich an den Stränden aus. Mitten in der Woche treffen sich alle immer nachts zum plaudern, feiern, Shisha rauchen und Grillen. So auch hier in Eilat. In der dritten Nacht startet dann auch noch der brüllende Benzin-Generator direkt neben uns zur Stromversorgung eines der Caravans und nebelt uns um 1 Uhr nachts mit lautem Getöse die Bude mit Abgas ein. Boah, sind wir sauer! Stundenlang bleiben wir wach, doch als es mir echt reicht steige ich aus und niemand ist da. Nach einer weiteren Stunde kommt unser eigentlich netter Nachbar wieder. Er bittet tausendmal um Entschuldigung, er habe keine Uhr und wusste nicht die Zeit und hat vergessen, dass wir neben ihm sind. Völlig gerädert ziehen wir am nächsten Tag ein paar Meter weiter. Unser Glück, denn nun wird unser Schlaf von Gitarre und Flötenklängen eingeleitet aus dem Hippie-Caravan nebenan. Maja und Sanna saßen gestern noch lange still auf den Steinen und lauschten der wohltuenden Musik.

Trotz der Abstriche ist es eine heilsame Zeit. Die Seele holt uns wieder ein, denn der Körper reiste die letzte Woche so rasant, dass wir nun unsere Impressionen verarbeiten können. Während wir bisher keine deutschen Reisende getroffen haben, freuen wir uns jetzt gleich drei Bekanntschaften mit eigenem Laster, Wohnmobil oder Zelt aus der Heimat zu machen. Das gibt uns auch das Gefühl nicht eine total irre, unverantwortliche Reise zu machen, denn alle sind wir der gleichen Meinung: wir haben keine Ahnung, warum nicht mehr auf diese Weise nach Israel reisen.

Kriegsschiffe die Schießsalven in die Luft abfeuern, als Übung oder Langeweile, ein Vater mit Kinderwagen und Pistole, Düsenflugzeuge knapp über unseren Köpfen, Paintball mit Schießgewehren für Kinder oder Sicherheitschecks am Supermarkt. Ja, das ist israelischer Alltag, den außer uns keiner wahrnimmt und somit auch von unserem Gefühl nicht als Gefahr wahrgenommen wird. Klar, es ist krass und sehr befremdlich für uns. Richtige Angst entsteht nicht, aber eine Gewissheit, wie dankbar wir sein können für den Frieden und die Freiheit in unserem Land. Dennoch ist Israel ein Land zum Reisen, auch individuell, auch mit eigenem Fahrzeug. Ohne Angst.

Kann halt sein, dass es heiß wird und wir sehnen uns nach einem kühlen deutschen Regenguss. Den Kindern macht die Hitze kaum was aus. Sie laufen den ganzen Tag im Badeanzug herum, klettern über Stein und Fels, planschen am Ufer, retten Quallen ins Wasser zurück, entdecken Krebse und jagen uns stündlich zum Schnorcheln ins Meer.

Das Meer! Unser neugefundenes Paradies unter Wasser. Wir können es immer noch nicht fassen. Das Korallenriff liegt uns direkt zu Füßen und wir schwimmen darin wie in einem Aqarium. Zebrafische, Nemos, Dories, Papegeienfische, Nadelfische, Igelfische, Goldfische, Feuerfische, Picassofische, Muränen, Seeigel, Seegurken, kleine Riesennmuscheln, große Fische, klitzekleine Fische, grüne, blaue, gelbe, türkise, bunte, durchsichtige, braune, einzelne, schwarmartige Fische sowie jede Menge Korallenarten und lila Quallen tauchen vor unserer Brille auf. Oft fühlt man sich selber wie ein Fisch mittendrin, auf Tuchfühlung mit anderen Fischfreunden. Kaum drehe ich mich um, schauen mir ein paar Fischaugen direkt ins Gesicht oder eine Qualle streichelt, glitschig und weich an mir vorbei. Täglich drehen Matthias und ich mehrere Schnorchelrunden und am Strand müssen wir unseren Mäusen Rede und Antwort geben, was genau wir gesehen haben. Dabei sind sie schon selber zu Schnorchlern geworden, denn selbst in ihren Stehbereich gibt es so viel zu entdecken.

Ein guter Zeitpunkt um unseren kleinen Reiseseelen das Wort zu überlassen…

Hallo! Wir sitzen gerade im Dunkeln auf dem Stuhl beim Roten Meer. Das heißt, so weil es ganz viele rote Steine hat und weil der Süden rot genannt wird. Aber wir sind noch in Israel!

Susanna: Aber Maja weiß, wo das Ende der Welt ist!

Maja: Ja genau, das ist nämlich hier. Dadrüben ist noch das Meer und dann ist Ende. Und hinter dem Ende der Welt ist Jordanien. Bei den Bergen.

Susanna: Und rechts ist äh… wie heißt das Land? Saudi Arabien! Und neben uns gibt es viele Camper und noch ein Land. Hier in Israel können wir ganz viel schnorcheln. Das ist toll! Und wisst ihr was?! Zuhause da habe ich auf meinem Fahrrad als erstes allein fahren können, und dann erst die Maja. Aber hier hat Maja direkt alleine schnorcheln können und dann erst ich. Mama und Papa haben mich erst festgehalten, doch jetzt kann ich es ganz alleine. Ich darf aber nur soweit rausschwimmen wie ich stehen kann, sagt Mama.

Maja: Ich habe auch schon eine Qualle hochgehoben mit den Händen. Vor Quallen braucht man keine Angst zu haben hier, die sind gar nicht gefährlich. Nur die Roten in Griechenland, sagt Papa, die brennen wie Feuer. Diese hier fühlen sich ganz schön komisch an, sehen aber sehr schön lila aus.

Susanna: Und gold! Und es gibt ganz bunte und große Fische, die sogar unter uns schwimmen. Und Glitzerfische und Clown-Nemos und andere Nemos!

Ein Seil trennt denn Strand vom Wasser ab wie ein Zaun. Da hängt ein Zettel dran. Dadrauf steht, dass man nur an den Stellen ohne Zaun ins Wasser darf, damit man nichts kaputt macht und nur mit Schnorcheln an die Korallen kommt. Heute hat uns ein Mann erzählt, dass mal ein Bus kam mit Leuten drin. Und die Leute sind ausgestiegen und ins Wasser gegangen und dann haben die die Korallen abgebrochen zum Mitnehmen. Die Polizei hat dann alle Leute mitgenommen. Jetzt ist da das Seil mit Zettel und die Korallen werden nicht mehr kaputt gemacht. Die Korallen am Strand darf man aber mitnehmen.

Susanna: Und wenn ihr friert im Wasser, dann braucht ihr nur ein Schwimm-T-Shirt zu kaufen. Das hält warm im Wasser. Sogar in meiner Lieblingsfarbe, grün! Aber lila mag ich immer noch!

Gestern waren wir in einem besonderen Aquarium. Da konnte man unter Wasser durch die Scheiben das Meer sehen. So wie Mama und Papa beim Schnorcheln. Es gab auch einen echten Nemo und eine Frau erklärte uns das er der Einzige dort sei und er hat sein eigenes Zuhause: eine Anemone, die sieht aus wie eine Pflanze. Aber die geht manchmal und dann kommt sie wieder und dann freut sich der Nemo. In ihr darf sonst keiner wohnen.

Aber am Besten waren die Haie. Die waren hinter einem riesengroßen Fenster und einem Tunnel und es ist auch ein Hai über uns geschwommen. Da waren noch andere große Fische und die Tiere mit einem langen Dings hinten dran, die durchs Wasser geflogen sind… Rochen! Mit Stachel! Und da war sogar ein Taucher drin, der hat die alle gefüttert, aber die Haie haben ihm nichts getan.

Heute waren wir bei den Delfinen.

Susanna: Wenn ihr zu den Delfinen hinwollt müsst ihr ein Taxi winken, einsteigen und sagen wohin ihr wollt. Ganz zum Schluss müsst ihr dann beim Fahrer bezahlen.

Über einen Steg konnten wir zum Meer und da haben wir uns hingesetzt mit den Füßen im Wasser und haben versucht Quallen mit den Füßen hochzuheben.
Susanna: Eine Qualle hatte sogar ein Loch und die ist nicht mehr so wie eine Qualle geschwommen, sondern so wie ein Mensch, wenn er die Arme so macht und so im Wasser liegt wie im Toten Meer.

Maja: Ich durfte einen Kuscheldelfin kaufen, der ist jetzt die Mama von meinem kleinen Delfin Sammy und heißt Luna. Mama und Papa durften mit den Delfinen schnorcheln, das will ich auch so gerne sehen, männo. Unter Mama ist ein Delfin getaucht, der hieß auch Luna. Der war so groß, größer als ein Mensch.

Der Steg schaukelte wie ein Boot und wir haben auch ganz viele Delfine sehen können. Ganz nah, aber leider kam keiner zum Streicheln. Papa und Mama sagen auf dem Steg ist es viel schöner als beim Schnorcheln, weil man mehr Delfine sieht.

Susanna: Ja und einer ist sogar in die Luft gesprungen und hat einen Slooping gemacht. So und dann so! Das war bestimmt auch Luna!

Dort drüben bei uns gibt es auch eine Rutsche ins Meer. Eigentlich sind es nur zwei glitschige Steine, aber wir rutschen dort. Daneben wohnt auch ein Krebs.

Maja: Und jetzt ist gerade Flut.

Und jetzt haben unsere Mädels so viel erzählt, dass sie totmüde in den Toyo fallen. Schnell noch draußen die Zähne putzen und rein ins gemütliche Klappdach, wo sie bei “Conni und Mau“ friedlich einschlafen und ich mit Blick auf das Ende der Welt ihre Geschichten zusammen schreibe.

8 Kommentare

  1. 16. Mai 2018    

    Hallo,
    was für ein toller Bericht. DA macht das Lesen wirklich Spaß. Bin zwar nur zufällig hier gelandet, habe aber trotzdem fast alles hier gelesen. Toller Schreibstil!

    Grüße
    Kara

    • Itchy Feet's Gravatar Itchy Feet
      16. Mai 2018    

      Hallo liebe Kara, vielen Dank für die Blumen! Schön, dass du bei uns hängengeblieben bist 😉
      Liebe Grüße aus Israel! Miri

  2. Hannah's Gravatar Hannah
    6. Mai 2018    

    Und die Autokorrektur hat alle „Majas“ Mal wider falsch verbessert. :-\
    Entschuldigung liebe Maja, dass der eine Buchstabe falsch ist.

    Ganz liebe Grüße und bis Bald,
    Hannah

  3. Hannah's Gravatar Hannah
    6. Mai 2018    

    Hallo ihr Weltreisenden.

    Ihr habt ja schon wahnsinnig viel erlebt. Mailin sagte zwar gleich „da wäre es mir viel zu heiß da, aber fliegen will ich unbedingt auch Mal“. Also fliegen wir Anfang Juni nach Irland. „Da ist es nicht so heiß wie bei Maya und Susanna. Außerdem gibt es Strände, Burgen, Ruinen und Klippen. Und viele Schafe. Und einen Leuchtturm zum ansehen. Und einen Delfin. Das beste ist, dass ich wenigstens ein wenig verstehen kann, weil sie da auch Englisch sprechen.“ So könnt ihr euch bald die unterschiedlichsten Erlebnisse erzählen. Ich bin schon jetzt gespannt was ihr bis dahin noch erlebt. „Das sind ja richtige Abenteuer, was Maya erlebt“, findet Mailin und sie sehnt den Tag herbei, wenn sie wieder mit ihr spielen kann. Sie möchte dann alle Abenteuer erzählt bekommen.
    Aber bis dahin werdet ihr noch sehr viel erleben. Mit oder ohne Bastelschere. 😉
    Wir drücken euch die Daumen, dass der Toyo alles gut mitmacht und ihm nicht zu heiß wird. Euch natürlich auch nicht. 😉
    Wir wünschen euch ganz viele ruhige Nächte und viel Erholung.
    Ganz liebe Grüße von den Schuhen aus Kranüchel

    • Itchy Feet's Gravatar Itchy Feet
      16. Mai 2018    

      Huhuu, Irland, ja davon träumen wir auch gerade, oder Schottland. Mystik, viel grün und nicht so heiß… Mailin erlebt bestimmt auch superviele Kinderabenteuer, Fliegen gehört schon mal dazu! Liebe Grüße von den Füßen zu den Schuhen! 🙂

  4. Oma Gitte's Gravatar Oma Gitte
    5. Mai 2018    

    Hallo Ihr zwei Supermaeuse,
    Na, das ist ja toll!!! Super, wie Ihr schnorcheln koennt! Ich hoffe, ihr seht viele tolle bunte Fische! Ich war noch nie bei den Delfinen, Ihr muesst mir das alles ganz genau erzaehlen, wenn Ihr wieder daheim seid. Wir fahren morgen auch in den Urlaub, nach Bayern, wo die hohen Berge sind. Leider gibt es da kein Meer.
    Ich weunsche Euch noch viele neue Abenteuer!

    Bussis
    Oma Gitte

  5. Herbert's Gravatar Herbert
    4. Mai 2018    

    Hallo Maja und Susanna,
    toller Reisebericht! Die Fische sind schon toll da wo Ihr jetzt seid. Wart Ihr den schon bei den Delfinen?
    Tante Beth und Onkel Herbert fanden das Wasser so toll, wir wollten gar nicht mehr raus gehen. Wir haben einen Oktopus gesehen. Die wechseln ganz schnell die Farbe. Da muesst ihr aufpassen, damit Ihr die seht. Macht ganz viele Fotos. Und weiterhin viel Spass auf Eurer Reise. In Jordanien in der Wadi Rum wird’s sehr schoen, ihr werdet sehen. Da sind ganz viele Kamele. Oder besser Dromedare (die mit einem Hoecker).
    Bussis
    Shalom und Shukran fuer den Bericht!
    Onkel Herbert und Tante Beth

    • Itchy Feet's Gravatar Itchy Feet
      4. Mai 2018    

      Hallo liebe Beth, lieber Herbert! Ja, bei den Delfinen waren wir sogar zwei Mal! Wir können gar nicht ab warten bis wir auch mal tauchen lernen. Das machen wir irgendwann mit Papa und Mama zusammen. Auf Jordanien freuen wir uns schon sehr, Morgen geht’s los!
      Alles Liebe, Maja und Susanna

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Die Autorin

Gestaltung und Texte entspringen meistens aus meinen wirren Gedanken. Fotos, Lektorat und Kritik fallen in Matthias‘ Bereich. Geht aber auch anders herum. Schreiben und kreatives Zeug gehören zu meiner Leidenschaft und ich freue mich, wenn ich Menschen dadurch zum Lesen, Reisen, Träumen, Nachdenken oder Schmunzeln bringe. Viel Freude also hier auf unserer Familien-Reise-Abenteuer-Seite! Eure Miri

Und das schreibt ihr!